ARD-MUSIKWETTBEWERB 2017 – KLAVIER

Alle drei jungen Männer sind völlig verdient ins Finale eingezogen, aber selten habe ich derart unterschiedliche Solisten in einem Konzert gesehen. JeungBeum Sohn hatte ich nicht wirklich auf dem Schirm. So ist das eben bei 34 Kandidaten in der ersten Runde: Man sucht sich seine eigenen Hoffnungsträger und lässt dabei den einen oder anderen tatsächlich außer Acht. Der 26-jährige JeungBeum aus Südkorea war mir bis jetzt entgangen. Er hat Kraft und Esprit. In bessere Hände kann das vollblütige Tschaikowsky-Konzert nicht gelegt werden. Selbst im Pianissimo ist ein Druck zu spüren, der erstaunt. Diagnose: Erster Preis. Als genau dieses Urteil verkündet ist, tritt er benommen die Stufen von der Bühne herunter. “Ich schwebe über den Wolken, bin mega-glücklich! Aber ich denke auch, dass ich ab jetzt mit einer enormen Verantwortung umgehen muss. Der erste Preis beim ARD-Wettbewerb ist auf jeden Fall ein Riesentitel!” Noch wenige Minuten zuvor hatte er sich darauf eingestellt, überhaupt keinen Preis zu erhalten. “Selbst in den zwei Proben davor lief es besser. Ich bin froh, dass es vorbei ist”, hatte er gesagt und die Schultern hängen lassen.

 

09.09.2017 von Konrad Bott
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PHOTO  BR/Daniel Delang